.:Painting a Miracle:.
raindrops falling...




Eine Schreibmaschine ist ein Gedankenklavier...
Welches Lied spielen wir heute?
(Kurt Tucholsky)



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Wenn ich die
Geschichte in Worten
erzählen könnte, brauchte ich
keine Kamera herumzuschleppen.
(Lewis W. Hine)

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Jede Nation, jedes Volk, jede Zeit, jeder Roman... sie alle brauchen Helden, und die Geschichte hat schließlich genügend davon hervorgebracht, nicht wahr? Sie sind Menschen, Ikonen, manchmal gar eine Art Symbol für etwas, das uns hilft, unseren Alltag zu überstehen und uns eine Figur vor Augen setzt, an der wir uns orientieren können, wenn wir nicht wissen, wie es weitergeht. Sarah, Esther, Eva... ihr habt mich dazu inspiriert und ich hoffe ihr nehmt es mir nicht übel und denkt, ich hätte diese Idee böswillig bei euch abgekupfert...

Jedenfalls werde ich euch hier in eher unregelmäßigen Abständen die verschiedensten Helden meines bescheidenen Alltags vorstellen, die mir dabei helfen, mein Leben etwas zu verschönern und mich zu inspirieren Es können historische Figuren sein, Schauspieler, Regisseure, aber auch Sänger oder Freiheitskämpfer, Idealisten, Menschenrechtler, ... meiner kleinen "Wall of Fame" habe ich keine Grenzen gesetzt *g*


Der erste Mensch, den ich euch hier vorstellen möchte, fällt gleich in mehrere der oben genannten Kategorien:

* Víctor Jara (23.09.1932 bis vermutlich 16.09.1973)



Víctor Jara hatte einen äußerst wichtigen Einfluss auf die Musik und die Kultur von Chile, was selbst heute noch zu spüren ist. Sein Leben, vor allem aber seine Musik, spiegeln nicht nur sein Land wieder, sondern auch die bewegte Zeit, in der er lebte, und seine persönlichen Philosophien.

Er wurde am 23. September 1932 in Lonquén geboren, einer kleinen Stadt in der Nähe von Santiago de Chile. Seine Eltern waren einfache Landwirte, und wie so viele Arme zu der Zeit hatte auch Victors Vater ein Alkoholproblem und neigte zu Gewalttätigkeiten gegenüber seiner Frau Amanda. Schließlich verließ er sie und so sorgte sie fortan allein für die kleine Familie. Diese Zeit sollte Victors Leben grundsätzlich beeinflussen, denn sie spielte Gitarre, was sie ihrem Sohn beibrachte, und traditionelle chilenische Folklore. Sie starb, als Victor 15 war, daraufhin brach er seine Ausbildung zum Buchhalter ab und begann, Theologie zu studieren, was er jedoch bereits nach zwei Jahren wieder aufgab. Den Glauben an die Religion verloren versuchte er sich für einige Jahre im Militär, kehrte aber arbeitslos wieder nach Lonquén zurück und widmete sich mit einigen Freunden dem Studium der Folklore. Während dieser Zeit entwickelte er ein Interesse am Theater und der Schauspielerei und entschied sich daher, Schauspielerei in der Schule des Theaters in der Universidad de Chile zu studieren. In diesen und den folgenden Jahren nahm er an unzähligen Theaterproduktionen teil. Als er dann auf Violetta Parra traf, die Inhaberin eines Cafés in Santiago de Chile und darüber hinaus eine begnadete Sängerin und Künstlerin, weitete er auch sein Studium der Musik und Folklore weiter aus und begann, mehr und mehr zu singen.

Schließlich fing er an, sich in der chilenischen Politik zu engagieren. 1966 erschien seine erste Platte, „Victor Jara“, und obwohl er auch weiterhin als Theaterregisseur arbeitete, widmete er immer mehr Zeit seinen Liedern und den politischen Tätigkeiten. 1970 verließ er das Theater dann gänzlich und konzentrierte sich nur noch auf seine Musik, die von den einfachen Leuten spricht, ihrem Leben und ihren Problemen in einer unbarmherzigen Arm-Reich-Gesellschaft, wie sie (nicht nur) zu der Zeit in Chile an der Tagesordnung war. Es war eine Zeit des politischen Umbruchs und der Revolution, und Victor Jara an musikalischer und politischer Front mit dabei.

Wegen seiner großen Liebe für sein Land nehmen viele seiner Songs Probleme wie die gesellschaftliche Ungerechtigkeit oder politische Skandale in Angriff. Er zählt als einer der größten Vertreter der „Nueva Canción“ (= Neues Lied), die eine große revolutionäre Bewegung in Südamerika darstellte, an der vielerorts Künstler und Gelehrte teilnahmen. Victor Jaras politische Ideen Ideen bestimmten wichtige Teile seiner Stücke, und wie viele Sänger Lateinamerikas war er überzeugter Kommunist und Leiter der Artistenabteilung seiner Partei. Gemeinsam mit anderen Sängern gab er Konzerte zugunsten von Salvador Allende und der Unidad Popular, einer Sammelbewegung linksstehender Parteien.

Am 11. September 1973, während des Putsches unter Augusto Pinochet gegen Allende, wurde Victor Jara bei seiner Arbeit in der technischen Universität festgenommen und fünf Tage lang, wie viele andere seiner Leidensgenossen, im Estadio Chile gefoltert. Seine Peiniger brachen ihm die Hände (Anm.: Viele glaubten, dass ihm die Hände abgehackt wurden, was jedoch seine Frau Joan verneinte), damit er nicht mehr Gitarre spielen konnte. Doch sogar unter diesen schrecklichen Folterungen erhob Victor Jara nochseine Stimme, um das Lied der Unidad Popular (Venceremos = Wir werden siegen) zu singen. Daraufhin wurde er brutal zusammengeschlagen und schließlich mit einem Maschinengewehr durchlöchert wie ein Sieb. Bevor er in eines der Massengräber geworfen werden konnte, bekam seine Frau glücklicherweise die Möglichkeit, ihn in Würde zu begraben. Sie verließ Chile mit versteckten Aufnahmen ihres Mannes und gründete 1994 ihm zu Ehren die „Fundación Víctor Jara“.

Das Leben von Victor Jara zeigt einen sympathischen und intelligenten Sänger, der durch seine Stücke direkt zu den Menschen sprach und ihnen dadurch genau das gab, was sie brauchten, um in ihren elenden Umständen neue Kraft zu schöpfen. Sein Traum war ein demokratisches Chile, seine Lieder sind infolgedessen nicht nur Zeugnis seiner Stärke sondern auch seiner kommunistischen Lebensanschauung. Im September 2004, zum dreißigsten Jahrestags seiner Ermordung, wurde das Estadio Chile offiziell in “Estadio Víctor Jara“ umbenannt.




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